„Die leider sehr emotionale Situation bzgl. der Infektionen von
Schulkindern in den sozialen Medien und über Whatsapp-Gruppen veranlasst
mich heute, hierzu die anliegenden Gedanken zu veröffentlichen und
darüber einen Denkanstoß zu liefern.“ Mit diesen Worten begegnet Landrat
Kai-Uwe Bielefeld den aktuellen Diskussionen und wirbt um Vertrauen in
die Arbeit aller Beteiligten.
Bundesweit sinken die Zahlen der Corona-Infizierten, in unserem
Landkreis sind aktuell jedoch größere Familien betroffen, die unsere
aktuellen Zahlen ansteigen lässt. Dass nun auch Kinder, die
glücklicherweise zwar fast alle einen harmlosen bis symptomlosen Verlauf
zeigen, betroffen sind, lässt uns alle und speziell Eltern von
Schulkindern aufhorchen.
Dabei entstehen Unruhe und Sorge in der Elternschaft, Austausch über
Whatsapp-Gruppen oder andere Medien verunsichern zusätzlich und lässt
oftmals unnötige Ängste entstehen. Dieses mag daran liegen, dass die
Kommentare von Laien, die fachlich leider nicht fundiert sind, deswegen
zu Verwirrung führen, nicht aber für konstruktive Information und
Unterstützung stehen.
Die Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes arbeiten inzwischen seit
Monaten akribisch und sorgfältig die einzelnen Corona-Patientinnen und
Patienten ab. Sie telefonieren oftmals täglich mit Ihnen, ermitteln sehr
genau die Kontaktpersonen, die unterschieden werden in engere und
weiter gefasste Kontakte, und informieren anhand der aktuellen
Richtlinien jede einzelne betroffene Person.
Die Eltern der übrigen Schulkinder, die vom Gesundheitsamt nicht kontaktiert werden,
fallen nicht
unter die Kontaktpersonenregelung, die bestimmte Maßnahmen umsetzen
müssen, weil deren Kinder aber auch nicht in ausgewiesener
Infektionsgefahr stehen bzw. standen.
Die Schulen haben in einem unglaublichen Aufwand
Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die sie mit größter Sorgfalt täglich
umsetzen und die einer Ausbreitung der Corona-Infektion eindeutig
entgegenwirken. Wozu wäre dieser ganze Aufwand nötig gewesen, wenn man
bei einem einzelnen infizierten Kind schon an Schulschließung denkt.
Jede und jeder von uns kann sich überall mit dem Corona-Virus
infizieren, eine absolute Sicherheit gibt es nicht.
Die Sorge der Eltern ist grundsätzlich nachvollziehbar und
berechtigt, aber Vorwürfe und falsche Anschuldigungen spiegeln eher die
mangelnde Fachkenntnis wieder und hetzen unnötig auf. Das mangelnde
Vertrauen in die Empfehlungen des Gesundheitsamtes, die Kritik an
Schulen und den Landkreis allgemein nutzt niemandem, aber sie
untergraben den unermüdlichen Einsatz aller beteiligter Personen, die
sich seit Wochen und Monaten für den Schutz ihrer Kinder und zum Wohle
aller Bürgerinnen und Bürger engagieren.
Bzgl. des Vorgehens des Gesundheitsamtes werden strikt die
Richtlinien des Robert-Koch-Institutes (RKI) eingehalten, wobei jeder
neu auftretende Fall immer dem gleichen Vorgehen unterliegt.
Sobald das Gesundheitsamt einen positiven Befund aus dem Labor
erhält, wird unmittelbar zu der infizierten Person Kontakt aufgenommen
und diese sofort im häuslichen Umfeld isoliert. Im zweiten Schritt
werden sämtliche Kontaktpersonen akribisch ermittelt, genau die Art des
Kontaktes festgelegt und entsprechend der Leitlinien eingeordnet. Dieses
unterliegt in jedem Fall immer den Empfehlungen des RKI, und nur bei
Bedarf erfolgt für diese Kontaktpersonen eine Quarantäneverordnung. In
jedem Fall bekommen aber die betroffenen Personen genaue Anweisungen.
Die Personen, die nicht informiert werden benötigen, diese nicht.
Auch bei Infektionen in Kindergärten und Schulen wird streng nach den
Leitlinien des RKI verfahren. Zusätzlich wird in diesen Fällen Kontakt
zu dem Kindergarten und der jeweiligen Schulleitung sowie der
Landesschulbehörde aufgenommen und detailliert das vorherrschende
Hygienekonzept hinterfragt, sowie die Umsetzung durch die Schülerinnen
und Schüler, aber natürlich auch der anderen, nicht betroffenen Klassen,
thematisiert.
Ob Schülerinnen und Schüler unter die Testkriterien fallen,
unterliegt ebenfalls klaren Empfehlungen, wobei der Landkreis den
besorgten Eltern auch grundsätzlich entgegen kommt, auch wenn sie „nur“
der Kategorie Kontaktperson 2 angehören und eigentlich keine Testung
benötigen. Besteht auch nur ein gewisses Risiko für andere Kinder,
würden diese oder die entsprechende Klasse nach Hause geschickt.
Eine Schulschließung ist immer die letzte Option, wenn es nach der gesundheitlichen Einschätzung notwendig ist.
Die Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und der Landesschulbehörde
hat sich als sehr konstruktiv und vertrauensvoll herausgestellt. Das
gemeinsame Ziel ist immer die Gesundheit der Kinder, Eltern und aller
Bürgerinnen Bürger unseres Landkreises. Jeder einzelne sollte durch
Einhaltung der allgemeinen Hygienemaßnahmen ebenfalls dazu beitragen.
Für besorgte Eltern und jede(n) einzelne(n) Bürgerin und Bürger gilt
weiterhin das Angebot eines persönlichen Gespräches mit Mitarbeitern des
Gesundheitsamtes, außerdem steht das Gesundheitsamt per E-Mail unter
gesundheitsamt@landkreis-cuxhaven.de zur Verfügung.
Die Verantwortung jeder und jedes Einzelnen sollte darin bestehen,
zunächst aktiv die Weiterverbreitung des Virus durch eigene Einhaltung
der Richtlinien zu unterstützen, dann aber doch auch, die Belastungen
anderer Mitmenschen nicht unnötig zu verstärken.
Wer denkt zum Beispiel an die betroffenen Familien selbst? Es ist
kaum vorstellbar, wie diese von der Gesellschaft wohlmöglich ausgegrenzt
und gemobbt werden. Für sein eigenes Kind möchte sich keiner diese
Situation vorstellen.
In diesem Sinne ist es unerlässlich nicht durch vorschnelle
Äußerungen und Verdächtigungen Mitmenschen zu verunsichern und auch die
engagierten Mitarbeitenden der Schulen und des Gesundheitsamtes nicht
unnötig zu frustrieren und damit ihr Durchhaltevermögen in dieser für
alle belastenden Zeit nicht zu schwächen. Letztendlich engagieren Sie
sich bewusst zum Schutz ihrer Kinder und zum Wohle der gesamten
Gesellschaft.
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